Magazin
16. Mai 2018, 
Katharina Raab

Storytelling wichtiger denn je

Stehen Themen wie Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität dem Beruf des Kommunikators entgegen? Oder sind sie ein Gewinn für PR? Das diesjährige World Public Relations Forum, ausgerichtet von der Non-Profit-Organisation Global Alliance (GA), bot Kommunikatoren aus aller Welt hierfür eine Austauschplattform. In diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei in Oslo: unser Historiker und Kommunikationsberater Andreas Plöger.

Andreas, mit welchen Erwartungen bis Du nach Oslo gereist?

Natürlich ging es mir vor allem darum, neue, internationale Kontakte zu knüpfen und Inspiration zu sammeln, fernab vom betriebsamen Agenturalltag. Darüber hinaus erwartete ich mehr Einblicke in die Arbeitsweise anderer Länder, in die Herausforderungen, die sich in unterschiedlichen Kulturkreisen und Gesellschaften stellen.  Besonders interessierte mich, wie bestimmte Werte in Organisationen und Unternehmen auch unter wirtschaftlichen Aspekten gewinnbringend eingesetzt und kommuniziert werden. Außerdem beschäftigen mich und uns als Agentur natürlich die neuesten technologischen Entwicklungen  – von der Datenanalyse und -verwertung bis hin zu Virtual und Augmented Reality (VR und AR).

Was hat Dich besonders beeindruckt?

Die Präsentation des vizrd-CTOs Petter Ole Jakobsen über die Anwendungsmöglichkeiten von AR und VR. So groß die Potenziale für unsere Branche, und speziell für modernes Storytelling, sind, so erschreckend sind die Möglichkeiten, die sich daraus beispielweise für autoritäre Regime ergeben. Mit dieser technologischen Ambivalenz werden wir leben müssen. Gut gefallen haben mir auch viele andere Keynotes. Dass Unternehmen nicht nur Organisationen, sondern Erzählungen seien, betonte etwa Hans Geelmuyden. Er hat Recht, meine ich, denn keine Geschichte ist authentischer als die eigene. Für mich ist nach dem WPRF über „Truth“, „Intelligence“ und „Profit“ sicherer denn je: In den unruhigen Gewässern veränderter Stakeholder-Beziehungen und im weiten Feld der CSR ist die eigene, einzigartige Unternehmensgeschichte eine Zukunftsressource für Public Relations. Ich hätte mir aber mehr Best-Practice-Beispiele gewünscht. Es wurde z.B. viel über Technologie gesprochen, der konkrete Einsatz aber nur in wenigen Fällen gezeigt oder an Beispielen erörtert. Vieles blieb zu oft nebulös.

Was hast Du gelernt? 

Dass wir als Branche etwa in der Automatisierung und überhaupt beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in weiten Teilen immer noch am Anfang stehen und Pioniere das Feld für sich abstecken. Der Ausgang ist völlig offen, die Gefahren ethischer und wirtschaftlicher Natur bedeutend und die Geschwindigkeit atemberaubend. Abgesehen vom Klimawandel bin ich bei den üblichen Kassandrarufen skeptisch, vor allem, wenn es um den technologischen Wandel geht. Zu lang ist die Liste von Weltuntergangspropheten, die am Ende doch alle falsch lagen. Daran hat uns in Oslo auch die Vorstellung von „www.gapminder.org“ noch einmal erinnert. Die Welt ist besser, als wir glauben. Und es lohnt sich, auch die Chancen der Automatisierung für den Zeitgewinn im Arbeitsalltag zu sehen und diese zu ergreifen, um mehr Freiraum für neue Ideen zu gewinnen, genauso für kreative und strategische Arbeit.

Welchen Eindruck hattest Du vom Research & Practice Colloquium am ersten Tag?

Der Wissenschaftstag machte einmal mehr deutlich, dass es immer noch einen großen Bedarf gibt, Forschung und Praxis enger zusammenzubringen. Es muss darum gehen, eine gemeinsame Sprache zu finden, um Anwendbarkeit und Nutzen von Forschungsergebnissen verständlich zu machen. Zudem müssen effektivere Methoden des Wissenstransfers gefunden werden. Bei allem Jammern über Elfenbeintürme, muss man hier eine Lanze für die Wissenschaft brechen. Gerade wenn man international arbeitet, bietet unabhängige Forschung überlebenswichtige Erkenntnisse, wie Dr. Lukasz Przybysz von der Universität Warschau an dem breiten Misstrauen der polnischen Bevölkerung gegenüber der PR-Branche gezeigt hat.

Was bietet Deutschland an kontinuierlicher professioneller Bildung?

Das Angebot ist sehr umfangreich und damit inhaltlich wie qualitativ schwer zu überschauen. Die Träger reichen von selbstständigen Coaches über Wirtschafts- und Berufsverbände hin zu privaten Instituten und Akademien. Auch die Industrie- und Handelskammern bieten zertifizierte Fortbildungen und Seminare zu verschiedensten Bereichen aus dem Feld der PR an. Außerdem existieren an Universitäten und staatlichen wie privaten Hochschulen zahlreiche berufsbegleitende Bachelor-, Master- und MBA-Programme.

Als Historiker mit PR-Ausbildung unterstützt Andreas Plöger bei Birke und Partner Unternehmen darin, ihre Geschichte für die Markenkommunikation nutzbar zu machen. Parallel dazu promoviert er an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. In Oslo lernte er Silvia Rizzi (Share Communication, Mailand) und Brigitte Heinrich (Agentur Nettwerk, Luzern) kennen. Zusammen schrieb das Trio Berichte für die Dachverbände PR Suisse (Schweiz) und FERPI (Italien).