Magazin
19. September 2014, 
yoda

Morgen.

Ich bin alleine auf der Straße. Meine Schritte hallen zwischen den Häuserfronten. Der Motor meines Autos zerreißt die schläfrige Stille. Wann ich das letzte Mal um 04.30 Uhr aufgestanden bin? Ich weiß es wirklich nicht ...

05.30 Uhr. Rainer wartet am vereinbarten Treffpunkt vor dem Eingang der Uni-Bib. Herr Lehner, Hausmeister und beruflich zum Frühaufstehen verdonnert, hat schon Licht gemacht und sieht recht wach aus. Rainer auch. Der macht das ja auch nicht zum ersten Mal. Ich dagegen klammere mich an meinen Kaffee zum Mitnehmen. Gähnen. Die ganze Zeit muss ich gähnen. Zumindest bewege ich mich auf vertrautem Terrain. Ganze Wochen meines Studiums habe ich in den Lesesälen der Bibliothek verbracht. Vielleicht sogar Monate. Herr Lehner wohnt hier und teilt sich das Dach mit vier Millionen Büchern. "Wie das denn so mit der Digitalisierung voranschreite", will Rainer wissen. Es gehe voran, sagt Herr Lehner. Gut fände er es aber nicht, wenn die Bücher irgendwann verschwinden, setzt er plötzlich nach. Wir sind auf dem Weg zur Hauptpost. Auch das macht Herr Lehner jeden Morgen. Herr Lehners Kleintransporter schaukelt uns sanft über Erlangens Straßen. Wir wälzen die Vor- und Nachteile von echten Büchern. Ein bisschen analoge Nostalgie zwängt sich zwischen uns. 06.00 Uhr. Wir verabschieden uns. Rainer geht Brötchen holen ... ich gehe auf die Arbeit.

Alles schläft, einer knipst: Etwa 100 Mal wird Fotograf Rainer Windhorst noch mit dem ersten Hahnenschrei und der Morgenröte aufstehen –  auf der Suche nach einer spannenden Geschichte und nach unverwechselbaren Menschen in Erlangen, die er in Wort und Bild porträtieren und festhalten wird.

Das Buch "Erlangen, fünf bis sechs" (Arbeitstitel) wird 2015 im Verlag Palm und Enke erscheinen. Über die sozialen Kanäle des Verlags (Twitter, FB) gibt es schon jetzt eine Vorausschau auf die Geschichtsminiaturen, die erst im Buch zu Ende erzählt werden.